Hamburger Leinenbefreiung

In Hamburg gilt seit 2007 die Anleinpflicht. Dies wird im Hamburger Hundegesetz (HundeG) und im der Durchführungsverordnung zum Hundegesetz (HundeGDVO) geregelt. Möchte man seinen Hund ohne Leine führen, so kann man die Befreiung von der Anleinpflicht erhalten, wenn man die Gehorsamsprüfung nach festgelegten Prüfungsstandards, bei von der zuständigen Behörde anerkannten sachverständigen Personen oder Einrichtungen, ablegt. Die Prüfung wird von einer bestimmten Person mit einem bestimmten Hund abgelegt und ist somit nicht übertragbar. In der Prüfung hat die Person nachzuweisen, dass sie den Hund im Alltag unter Kontrolle hat und so halten und führen kann, dass von ihm voraussichtlich keine Gefahren oder erheblichen Belästigungen für Menschen, Tiere oder Sachen ausgehen.

Die zuständige Behörde erkennt gleichwertige Bescheinigungen der zuständigen Stellen anderer Länder oder anderer sachverständiger Personen oder Einrichtungen als Bescheinigung über die Gehorsamsprüfung an. (§9 Absatz 1)

Darüber hinaus kann im Einzelfall auf Antrag die Befreiung von der Anleinpflicht erfolgen, wenn die Ablegung der Gehorsamsprüfung insbesondere auf Grund des Alters bzw. der Gesundheit des Hundes eine unzumutbare Härte darstellen würde, es keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass von dem Hund Gefahren oder erhebliche Belästigungen für Menschen, Tiere oder Sachen ausgehen und die Hundehalterin oder der Hundehalter bislang nicht gegen die für das Führen oder die Haltung des Hundes geltenden Rechtsvorschriften verstoßen hat. (§9 Absatz 1)

Hunde, die jünger als zwölf Monate alt sind, sind von der Anleinpflicht nach § 8 Absatz 1 befreit, wenn die Person, die mit dem Hund angetroffen wird, einen eindeutigen Nachweis über das Alter des Hundes (zum Beispiel Zuchtpapiere, tierärztliche Altersbestimmung) bei sich führt und diesen auf Verlangen den Bediensteten der für die Durchführung dieses Gesetzes zuständigen Behörden vorzeigt und zur Prüfung aushändigt. (HundG§9 Absatz 9 HundeG)

 

Voraussetzung für die Gehorsamsprüfung

  • Der Hund muss mit einem Mikrochip fälschungssicher gekennzeichnet sein
  • Es muss eine gültige Hundehalterhaftpflichtversicherung bestehen (min. 1.000.000,- € /Personen- und sonstige Schäden /max. Selbstbeteiligung 500,- € )
  • Der Hund muss im Hunderegister angemeldet sein
  • Der Hund muss mindestens 12 Monate alt sein
  • Es darf keine Maulkorb- und/ oder Leinenpflicht bestehen

 

Inhalt der Gehorsamsprüfung nach HundeGDVO §1 

Folgende Hilfsmittel sind erlaubt:

  • festschnallbares Halsband oder Halsband mit Zugstopp
  • Halti
  • Brustgeschirr (nicht mit Zugwirkung unter den Achseln)
  • Leine
  • Pfeife

Der Einsatz von Futter oder Spielzeug als Belohnung ist zulässig. Hör- sowie Sichtzeichen sind erlaubt.

 

Gehorsamsübungen

1. Gehen an lockerer Leine

Der Hund darf nicht permanent an der Leine ziehen. Er hat Richtungs- und Tempowechseln willig zu folgen und anzuhalten, wenn die Hundeführerin/der Hundeführer stehen bleibt.

2. Sitz, Platz, Steh

Der Hund muss auf Signal der Hundeführerin/des Hundeführers zwei der drei Positionen einnehmen und so lange darin verharren, bis er ein anderes Kommando erhält. Dieser Übungsteil muss mit an- und abgeleintem Hund gezeigt werden.

3. Bleib

Die Hundeführerin/der Hundeführer bindet den Hund an einer geeigneten Stelle an und gibt eines der Kommandos unter 2. Wenn der Hund angebunden ist, entfernt sich die Hundeführerin/der Hundeführer, bleibt aber in Sichtweite des Hundes. Auf Anweisung der Prüferin/des Prüfers (frühestens nach zwei Minuten) kehrt die Hundeführerin/der Hundeführer zu dem Hund zurück. Bis dahin muss der Hund sich – auch unter leichter Ablenkung – ruhig verhalten.

4. Kommen auf Ruf

Der Hund ist abgeleint. Die Hundeführerin/der Hundeführer ist in Bewegung. Wenn der Hund mindestens 10 m entfernt ist, gibt die Hundeführerin/der Hundeführer das Kommando zum Herkommen. Der Hund muss zügig herankommen und sich problemlos anleinen lassen. Die einzelnen Gehorsamsübungen sind mehrmals und in wechselnder Reihenfolge zu prüfen. Während der Prüfung müssen sich mindestens nachfolgend aufgeführte Begegnungen ergeben oder, wenn nötig, mit Auftragspersonen nachgestellt werden:

  • Personen (Jogger, Skater, Radfahrer etc.) überholen/kommen dem Hund mit      schneller Geschwindigkeit entgegen (dreimal in verschiedenen Situationen)
  • Begegnung mit einem angeleinten und einem frei laufenden Hund
  • eine Fremdperson geht auf die Hundeführerin/den Hundeführer zu, schüttelt        ihr/ihm die Hand und fängt ein Gespräch an
  • eine Fremdperson geht auf den Hund zu und nimmt Kontakt zu ihm auf
  • der Hundeführer geht mit dem Hund durch eine Menschengruppe

 

Bewertung der Prüfung

Entscheidend ist bei der Bewertung das Hundeführerin/Hundeführer-Hund-Gespann. Daher muss es eine getrennte Beurteilung von Hund und Hundeführerin/Hundeführer geben.

Nicht bestanden hat:

1. ein Halter, der
  • seinen Hund nicht unter Kontrolle hat 
  • das Tier mit übertriebener Härte anfasst oder sich anderen Personen gegenüber rücksichtslos verhält

 

2. ein Hund, der
  • Menschen oder andere Hunde belästigt oder angreift
  • Teile der Gehorsamsprüfung mangelhaft oder gar nicht ausführt          
  • sich minutenlang in einer Situation nicht mehr kontrollieren lässt

 

Diese Unterlagen müssen Sie zur Prüfung mitbringen:

  • gültiger Personalausweis oder Reisepass mit Meldebestätigung
  • Heimtier- oder Impfausweis des zu prüfenden Hundes mit eingetragener Chipnummer
  • Haftpflicht-Versicherungsnachweis
  • Anmeldebescheinigung vom Hunderegister (Kopie)
  • ausgefüllter und unterschriebener Antrag auf Leinenbefreiung